„Folge mir nach!“ (Mk 2,14): Die Berufung zum Priestertum und zum gottgeweihten Leben in der heutigen Welt
«Folge mir nach!» (Mk 2,14): Die Berufung zum Priestertum und zum gottgeweihten Leben in der heutigen Welt
Hirtenbrief der Bischofssynode
der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche aus dem Jahr 2026
an die Eltern, die Jugend, den Klerus, die Ordensleute und die Gläubigen der UGKK in der Ukraine und in den Auslandsgemeinden
sowie an alle Menschen guten Willens
Da hörte ich die Stimme des Herrn, der sprach:
«Wen soll ich senden? Wer wird für uns gehen?»
Und ich sagte: «Hier bin ich, sende mich!» (Jes 6,8).
Liebe Brüder und Schwestern in Christus!
Anlässlich der diesjährigen Bischofssynode der UGKK im Marienwallfahrtszentrum von Zarvanytsia haben wir aus unserer Verantwortung für das Wohl der uns anvertrauten Gläubigen dem Thema «Seelsorge für Berufungen zum Priestertum und zum gottgeweihten Leben» besondere Aufmerksamkeit gewidmet.
Im christlichen Verständnis ist eine Berufung kein Beruf, sondern eine Identität, die sich als Antwort auf den Ruf zur Nachfolge Christi entfaltet. Im weiteren Sinne hat jeder Christ seine eigene Berufung: auf dem Weg zur Erlösung die Liebe Gottes in der Welt zu bezeugen, entsprechend seinem Alter und seinem Stand, und dabei im Glauben, in der Heiligkeit und in der Liebe zu wachsen. Zugleich sind einige zu einem besonderen Dienst berufen: «Kommt her, mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen.» (Mt 4,19). Häufig verwirklicht sich diese besondere Berufung im priesterlichen Dienst oder im gottgeweihten Leben.
Im Laufe der Geschichte unserer Kirche hat der Herr unaufhörlich eifrige Arbeiter in seine Ernte gesandt. Der Ruf Christi führte einst Antonius und Theodosius, die Gründerväter des ukrainischen Mönchtums, in die Höhlen von Kyjiw. Er war auch Wegweiser für Graf Roman Scheptytskyj, der, nachdem er Metropolit geworden war, im 20. Jahrhundert die geistliche Erneuerung unserer Kirche und des ukrainischen Volkes anführte. In den Zeiten des atheistischen Regimes folgten junge Menschen, die nach der Wahrheit Gottes suchten, dem Ruf des Herrn in den Untergrund, um inmitten von Dunkelheit, Bösem und Unwahrheit den Funken der Hoffnung und das Licht des Glaubens zu bewahren. Später, nachdem die Kirche durch Gottes Segen aus dem Untergrund hervortreten konnte, folgten zahlreiche junge Männer und Frauen dem inneren Ruf des Herrn: «Folge mir nach!» Sie traten in die wiedereröffneten Priesterseminare und Klöster ein oder schlossen sich Gemeinschaften des geweihten Lebens an.
Der Heilige Geist versieht die Kirche stets mit Arbeitern für den Weinberg Gottes, selbst in den schwersten Zeiten der Prüfung. Es gilt, offen für die Gabe der Berufung zu sein, nach dieser Gabe zu streben und unablässig zu bitten: «Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden!» (Mt 9,37–38). Deshalb ermutigen wir euch, liebe Brüder und Schwestern, in Dankbarkeit gegenüber all jenen, die bereits auf den Ruf des Herrn geantwortet haben, eure Herzen im Gebet für diese Gabe Gottes zu öffnen.
Liebe junge Männer und Frauen! Ihr fragt euch vielleicht: Auf welche Weise ruft Gott zum Dienst in der Kirche? Oft keimt die Berufung bereits in der Kindheit, wenn ein Kind seine Güte und Liebe entdeckt und zu begreifen beginnt, wie wichtig diese für sein Leben sind. Der Herr spricht durch die Teilnahme am Leben der kirchlichen Gemeinschaft, vor allem in der christlichen Familie — der «Hauskirche» — sowie in der örtlichen Pfarrgemeinde. Er ruft durch sein Wort, durch das Hören und Lesen der Heiligen Schrift. Er spricht im liturgischen Leben der Kirche, durch die heiligen Sakramente, insbesondere durch das Sakrament der Buße, sowie in der Stille des persönlichen Gebets. Der Herr ruft auch durch Menschen, die durch ihr heiliges, freudiges und gottgefälliges Leben anderen helfen, ihn kennenzulernen, und sie dazu anregen, ihm nachzufolgen.
Eine Berufung in der Kirche ist ein großes Geschenk und zugleich eine große Verantwortung. Sie erfordert Offenheit, eine Haltung des Zuhörens, innere Sensibilität und die Fähigkeit, Gottes Stimme in der Tiefe des Herzens zu erkennen. Um diesem Ruf angemessen zu folgen, müsst ihr die Liebe zu Christus und seiner Kirche pflegen, bereit sein, ein Werkzeug in Gottes Händen zu werden, und euch für verschiedene Formen des Dienstes öffnen. Betet und arbeitet an euch selbst, wachst in den Tugenden und helft anderen durch Wort und Tat, Gott näherzukommen. Nehmt aktiv an christlichen Jugendgemeinschaften teil.
Wenn ihr persönliche, familiäre oder gesellschaftliche Schwierigkeiten durchlebt, insbesondere inmitten der Prüfungen des gegenwärtigen Krieges, pflegt eine persönliche Freundschaft mit unserem Herrn Jesus und sucht bei ihm Halt, Trost und Orientierung für euer Leben. Möge euch die geistliche Nähe zu seiner allheiligen Mutter helfen, die ein Vorbild der Offenheit für die Gabe der Berufung ist: «Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast.»(Lk 1,38).
Liebe Eltern! Wir danken euch für euren Dienst und ermutigen euch, in euren Familien ein erfülltes christliches Leben zu führen. Begegnet euren Kindern in dem Bewusstsein, dass sie Kinder Gottes sind, die eurer Fürsorge anvertraut wurden. Betet täglich gemeinsam mit ihnen und nehmt aktiv am Leben der Kirche teil. Unterstützt das Bestreben eurer Kinder, Gott und der Kirche zu dienen. Seid für sie ein lebendiges Abbild der Liebe Gottes. Lehrt sie durch euer eigenes Beispiel Opferbereitschaft, Großzügigkeit und Vertrauen in die Gnade des Herrn.
Zeigt euren Kindern die Größe der kirchlichen Berufung und des kirchlichen Dienstes und denkt daran, dass die Eltern eines Priesters, eines Mönchs oder einer Nonne in der Kirche besondere Wertschätzung erfahren, da sie ihre Kinder dabei unterstützt und ermutigt haben, ihr Leben Gott zu weihen.
Liebe Seelsorger! Gemeinsam mit euren Pfarrgemeinden erfüllt ihr eine besondere Aufgabe in der Berufungspastoral: das Wirken des Heiligen Geistes in den Herzen der jüngsten Gemeindemitglieder zu erkennen. Deshalb ist es so wichtig, die Berufung eines jungen Menschen durch aufmerksames Zuhören, Ermutigung und Unterstützung zu fördern. Euer persönliches Vorbild eines frommen Lebens sowie euer freudiger und eifriger Dienst im Geist der Selbsthingabe können junge Menschen ermutigen, in eure Fußstapfen zu treten.
Nicht selten erlischt die Berufung eines jungen Menschen nur deshalb, weil niemand sie rechtzeitig bemerkt und unterstützt hat. Fördert Berufungen, indem ihr Kinder und Jugendliche zur aktiven Teilnahme am Gottesdienst und am Leben der Pfarrgemeinde einladet. Trefft euch regelmäßig mit der Jugend und organisiert Wallfahrten und Sommercamps für sie. Ladet Seminaristen, Priester und Ordensleute zu Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche ein. Vor allem aber betet gemeinsam mit der gesamten Pfarrgemeinde um geistliche Berufungen.
Wenn aus eurer Pfarrei Berufungen zum Priestertum oder zum gottgeweihten Leben hervorgegangen sind, sorgt dafür, dass die jungen Menschen davon erfahren. Ladet diese Personen ein, damit sie in ihrer Heimatpfarrei Zeugnis von ihrem eigenen Berufungsweg geben können.
Liebe Priester, Brüder und Schwestern aus den Gemeinschaften des geweihten Lebens! Seid im Leben unserer Jugend präsent. Möge die Freude an eurer Berufung in euren Worten und Taten für alle sichtbar werden. Pflegt die evangelischen Räte — Armut, Keuschheit und Gehorsam — , indem ihr in Gemeinschaft lebt und so ein Vorbild christlicher Brüderlichkeit, Schwesternschaft und Zusammenarbeit zum Wohl der Kirche Christi und zur Heiligung des Volkes Gottes seid.
Kümmert euch um die geistliche Begleitung und um eine geistliche Vaterschaft und Mutterschaft — sowohl innerhalb eurer Gemeinschaften als auch gegenüber jenen, die in eure Klöster kommen, um Unterstützung, Heilung oder Hilfe zu suchen.
Liebe Brüder und Schwestern in Christus!
Seid euch bewusst, dass die Berufung zum priesterlichen Dienst und zum gottgeweihten Leben ein Zeichen für die Lebendigkeit der Kirche ist. Denn sie bringt unaufhörlich neue Arbeiter für den Weinberg Christi hervor. Eine lebendige Pfarrei ist ein Ort, an dem junge Menschen dem lebendigen Christus begegnen und seinen Ruf hören können: «Folge mir nach!»
Die wahre «Hauskirche» ist eine Familiengemeinschaft, die alle Voraussetzungen schafft, damit der Keim einer Berufung zur Reife heranwachsen kann. Lasst uns daher alle gemeinsam über dieses große Geschenk wachen und die Berufenen mit unseren Gebeten begleiten.
Der Segen des allmächtigen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, möge auf jeden jungen Menschen, auf seine Eltern, auf die Priester, Mönche und Nonnen, auf jede unserer Pfarrgemeinden und auf unser ganzes Volk herabkommen und immer bei uns allen bleiben.
Im Namen der Bischofssynode
der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche
† SVIATOSLAV
Gegeben in Kyjiw,
bei der Patriarchalkathedrale der Auferstehung Christi,
am Gedenktag des heiligen Apostels Akila,
am 14. Juli im Jahr des Herrn 2026